Züge statt Flüge!

Hilf mit, Kurzstreckenflüge zu stoppen

Für eine klimagerechte Zukunft.

Für eine Mobilität, von der alle profitieren!

Die Kampagne wird organisiert von:

Die Klimakrise ist die neue Realität.

Gemeinsam mit 19 Organisationen fordern wir das Aus für Kurzstreckenflüge!

Während die Klimakrise eskaliert, fliegen in Deutschland jedes Jahr zehntausende Flugzeuge zu Zielen, die einfach und bequem mit der Bahn erreichbar sind.

Flugverkehr ist die mit Abstand klimaschädlichste Verkehrsform — eine Reduktion ist unerlässlich. Wir fordern von der künftigen Bundesregierung als klimapolitische Sofortmaßnahme das Aus für Kurzstreckenflüge. Das 1,5°C-Urteil des Bundesverfassungsgerichts und die katastrophale Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte verlangen eine ökologische und sozial gerechte Mobilitätswende. Statt Kurzstreckenflüge zu subventionieren, muss der öffentliche Nah- und Fernverkehr am Boden attraktiv und erschwinglich für alle werden. Wir brauchen Züge statt Flüge.

Auf dieser Grundlage fordern wir alle demokratischen Parteien, die Regierungsverantwortung tragen wollen, dazu auf, sich in einem Koalitionsvertrag zu folgenden Maßnahmen zu verpflichten:

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Ultra-Kurzstreckenflüge mit angemessener Bahnalternative sofort abschaffen!

Die Hälfte aller Kurzstreckenflüge in Deutschland und viele Flüge in benachbarte Länder können ohne Komfortverlust durch die Bahn ersetzt werden, weil die Flugziele innerhalb von etwa vier Stunden per Zug erreicht werden können. Die Verkehrsrechte für solche Flüge müssen auf Grundlage der EU-Luftfahrtverordnung 1008/2008 entzogen werden. 1,6 Millionen Tonnen CO2 können dadurch pro Jahr eingespart werden. Durch Bahnoptimierungen können auch Strecken bis 600km ohne Komfortverlust ersetzt werden. 

2

Kurzstreckenflüge bis 1500km überflüssig machen.

Die Parteien, die die neue Bundesregierung tragen, müssen mit einem Sofortprogramm einen Mobilitätswandel einleiten, der klimaschädliche Flugreisen überflüssig macht.

 

  • Bahnverkehr stärken: Es braucht einen sozial-ökologischen Ausbau des Bahnverkehrs in Deutschland und Europa mit mehr attraktiven und günstigen Bahnverbindungen, vernünftigen Investitionen in das Schienennetz, vermehrter Elektrifizierung, neuen Nachtzugverbindungen und verbesserten Taktungen (Deutschlandtakt), sowie der Entwicklung eines europäischen Netzes schneller Zugverbindungen (Beginn mit Trans-Europ-Express 2.0).
  • Reiserichtlinien ändern: Das Bundesreisekostengesetz muss überarbeitet werden — Dienstreisen per Kurzstreckenflug dürfen nicht länger erstattungsfähig sein. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen müssen durch Anreize und Vorgaben für weniger dienstliche Kurzstreckenflüge sorgen, zum Beispiel durch die großzügige Anerkennung von Bahnfahrten als Arbeitszeit oder durch Videokonferenz-Regelungen.

Darüber hinaus muss der gesamte Flugverkehr stärker reguliert werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen:

Alle Subventionen müssen gestrichen, Dumpingpreise strikt verhindert werden. Die Flughafen- Infrastruktur darf nicht weiter ausgebaut, sondern muss auf ein klimaverträgliches Flughafenkonzept reduziert werden. Hierzu haben Umweltverbände ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt.

Das Forderungspapier wird unterstützt von:

Informationen

Was ist ein Kurzstreckenflug?

Kurzstreckenflüge sind als Flüge bis 1500 Kilometer (EU-Definition) bzw. bis 1000 Kilometer oder bis 2 Stunden Flugdauer (Handbuch der Luftfahrt) definiert. Als Ultra-Kurzstreckenflüge gelten Flüge mit einer Distanz von max. 600 Kilometern. Mehr als die Hälfte aller in Deutschland startenden Passagierflüge sind Kurzstreckenflüge (Statistisches Bundesamt für 2020). Die meisten davon werden für Geschäftsreisen und als Zubringerflüge für längere Verbindungen genutzt. Hauptanbieter ist die Lufthansa. Besonders kurze Flugverbindungen bestehen zwischen Stuttgart und Frankfurt (Bahnreisezeit 1:16h), sowie zwischen Düsseldorf und Frankfurt (Bahnreisezeit 1:29h).

Was bringt ein Aus für Kurzstreckenflüge?

Die Hälfte der innerdeutschen Flüge, nämlich 170.000 (Stand 2018) könnte sofort auf die Schiene verlagert werden, weil ihre Ziele innerhalb von 4 Stunden mit der Bahn erreicht werden können. Hinzukommen Kurzstreckenflüge in europäische Nachbarländer, die ebenfalls mit einer vierstündigen Bahnreise ersetzt werden können. Viele Dienst- und Geschäftsreisen können bereits jetzt leicht von Videokonferenzen abgelöst werden. Durch diese Verlagerung können wir insgesamt rund 1,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr einsparen.*

Ein Aus für Kurzstreckenflüge würde auch bedeuten: Fast 100.000 Flugzeuge weniger für den Flughafen Frankfurt, 60.000 weniger in Berlin, 50.000 weniger in München, 28.000 weniger in Düsseldorf, 23.000 weniger in Hamburg, und 10.000 weniger in Leipzig/Halle (BUND: Weniger ist mehr. Sieben Schritte für einen klima- und ressourcenschondenden Luftverkehr, S. 4).

Die Abschaffung von Kurzstreckenflügen ist aber nur ein erster Schritt, um eine Mobilitätswende einzuleiten. Das Ziel muss sein: insgesamt deutlich weniger Flugverkehr und eine Verlagerung von Verkehr auf die Schiene.

*Eigene Schätzung: Laut Umweltbundesamt verursacht der gesamte deutsche Inlandsflugverkehr ca. 2,1 Mio. Tonnen CO2-Emissionen (Umweltbundesamt für 2017). Für knapp die Hälfte der Verbindungen besteht eine Bahnalternative von 4h. Hinzukommen Kurzstreckenflüge in europäische Nachbarländer, die ebenfalls mit einer vierstündigen Bahnreise ersetzt werden können. Dadurch ergibt sich ein Einsparpotential von ca. 1,6 Mio. Tonnen CO2.
Kann ich "klimaschonend" fliegen?

Die Flugindustrie verbreitet gerne die Botschaft, dass „grünes“ oder „klimaneutrales“ Fliegen schon in greifbarer Nähe sei. Die Unternehmen behaupten, der CO2-Ausstoß könne zum Beispiel durch Aufforstungsprojekte kompensiert werden. Oder sie inszenieren die Entwicklung von synthetischen Treibstoffen fälschlicherweise so, als würden die meisten Flugzeuge schon bald nur mit „grünem“ Kerosin fliegen können. Dabei liegt das Ziel für die Beimischung von synthetischem Kerosin gerade einmal bei 2% im Jahr 2030, und sein Herstellungsprozess benötigt enorm viel Energie. Auch ein Flugzeug mit synthetischem Kraftstoff würde durch Nicht-CO2 Effekte die Treibhauswirkung verstärken. „Klimaneutrales“ Fliegen ist also nicht möglich – der Flugverkehr muss drastisch reduziert werden. (Stay Grounded, 2017: Grünes Fliegen- Gibt es das?)

Warum sind Kurzstreckenflüge ungerecht?

Über 80% der Weltbevölkerung saß noch nie in einem Flugzeug. Auch für Deutschland gilt: eine sehr kleine Gruppe von vermögenden Vielfliegenden ist für einen besonders hohen Anteil des Flugverkehrs verantwortlich. Von den klimaschädlichen Auswirkungen des Luftverkehrs sind hingegen vor allem jene betroffen, die noch nie oder selten in einem Flugzeug saßen (Stay Grounded: Ungerechtigkeiten des Fliegens). Zudem profitiert der Flugverkehr von staatlichen Subventionen. Das heißt: auch unnötige und klimaschädliche Kurzstreckenflüge werden von Steuergeldern mitfinanziert (Öko-Institut 2021: Möglichkeiten zur Regulierung der Klimawirkung des Luftverkehrs). Es ist ungerecht, dass der klimaschädliche Flugverkehr durch Steuergelder gefördert wird, während für viele Menschen der Nahverkehr schon kaum bezahlbar ist!

 

Ist ein Verbot von Kurzstreckenflügen rechtlich möglich?

Ja, Frankreich hat‘s vorgemacht. Dort hat eine Bürger*innen-Versammlung einen Vorschlag erarbeitet und sich mit dem Staat auf ein Verbot von besonders kurzen Flugverbindungen verständigt. Zunächst wurde vorgeschlagen, Flüge mit einer Bahnalternative von vier Stunden zu verbieten. Die dann beschlossene 2,5-Stunden-Regelung geht zwar nicht weit genug, zeigt aber, dass eine staatliche Regulierung des Flugverkehrs möglich ist. Auf der Grundlage der EU-Verordnung 1008/2008 kann die Regierung die Verkehrsrechte für bestimmte Kurzstreckenverbindungen aus Umweltschutzgründen entziehen. Diese Regelung wurde von der Bundesregierung bislang ignoriert.

Wie sieht ein sozial-ökologischer Ausbau des Bahnverkehrs aus?

Die Bahn ist hat eine viel bessere Klimabilanz als etwa Flugzeuge oder Autos und ist daher ein zentraler Bestandteil einer Mobilität der Zukunft.

Pro Person und Kilometer verursacht eine Flugreise rund 20-mal so viele CO2-Emissionen wie eine Bahnfahrt (Europäische Umweltagentur 2014). Dies berücksichtigt noch nicht die sogenannten Nicht-CO2 Effekte, die in hohen Luftschichten eine große Rolle spielen und für rund zwei Drittel der Treibhauswirkung des Flugverkehrs verantwortlich sind. Eine Flugreise ist also sehr viel klimaschädlicher als eine Bahnreise.

Der Aus- und Umbau des deutschen und europäischen Bahnverkehrs muss jedoch nach sozialen und ökologischen Maßstäben erfolgen. Verbesserte Taktungen (Deutschlandtakt), eine europäische Erweiterung des Schienennetzes und ein ausgebautes Angebot an Nachtzügen können Bahnreisen attraktiver und bequemer machen.

Unterstütze unsere Kampagne gegen Kurzstreckenflüge!

„Hilf mit, die Petition zu verbreiten #ZügeStattFlüge“

Spende jetzt, damit mehr Flugzeuge am Boden bleiben!

Die Kampagne wird organisiert von ROBIN WOOD und Attac